Paraphrasen / Solo 1
für Klavier und 4-kanaliges Tonband (2008, ~15´)
Klangbeispiele

Die Fortsetzung von Klängen akustischer Instrumente im elektronischen Raum interessiert mich seit einiger Zeit ganz besonders. Es waren zuvor Stücke für Soloinstrumente und Tonband (Clemens Frühstück, Saxophon; Uli Fussenegger, Kontrabass) mit elektronischen Verarbeitungen von Aufnahmen mittels Granularsynthese entstanden (d.i. die Zusammensetzung von Klängen aus kleinsten Partikeln eines Ausgangsmaterials). Dabei ging es mir um die Entdeckung neuartiger Klänge, die auch als Weiterentwicklung eines Instrumentalklanges wahrgenommen werden können. In der Arbeit mit Computeralgorithmen ist mir außerdem der Aspekt des experimentellen Umgangs mit dem Material wichtig - nicht die Absolutsetzung des Formalen, sondern die Möglichkeit, durch die Formalisierung musikalisch Neuartiges erschließen zu können.
Als Clara Frühstück mit dem Vorschlag eines Konzertes rund um Mussorgskis "Bilder einer Ausstellung" an mich herantrat, dachte ich zuerst an eine ähnliche Arbeitsweise, ehe mir klar wurde, dass aufgrund der Anforderung der formalen Einbindung instrumental-elektronischer Zwischenspiele in die originale Reihenfolge ein leicht modifiziertes Konzept zur Anwendung kommen musste. Der Bezug zu den "Bildern" sollte noch deutlich erkennbar sein, der Aspekt der klanglichen Vielfalt hingegen zurückgestellt, gleichsam eher schwarz-weiß. Ich entschied mich für Verfahren, in denen einige wenige Takte von Mussorgski (Aufnahmen mit Clara Frühstück) in algorithmisch generierten Collagen verarbeitet wurden. Nicht Sandkörner, sondern Splitter, Brocken des Originals wurden sortiert, dann aber wieder mit Algorithmen teils zufällig ausgewählt, geschichtet, wiederholt, in Tonhöhe und Klangfarbe leicht variiert, räumlich verteilt. Die von Mussorgski beschworene Aura des Exaltierten und Rätselhaften scheint auch noch in seltsamen Transformationen zu schimmern.

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