Hybride Strukturen 1
für Bassposaune, Streichquartett und 8-kanaliges Zuspiel (2010, 8´50´´)
Klangbeispiele

Schon seit längerer Zeit habe ich die Absicht, algorithmische Verfahren, die ich bisher in zwei verschiedenen Werkgruppen verwendete, zu kombinieren:
In der Reihe Lokale Orbits, die mit Stücken für Soloinstrument und Elektronik begann, waren Aufnahmen mit den beteiligten MusikerInnen der Ausgangspunkt des kompositorischen Prozesses. Die Vielfalt der Möglichkeiten der Verarbeitung dieser Aufnahmen mittels Granularsynthese brachte mich dazu, das Experiment mit Syntheseparametern an den Anfang zu stellen und in erster Linie an dessen Resultate anzuknüpfen, oft auch gegen die ursprünglichen Planungen. Dennoch bildeten sich im Laufe der Reihe einige gemeinsame strukturelle Merkmale heraus: reduziertes Material, die kombinatorische Umordnung weniger instrumentaler Gesten und langsame, algorithmisch gesteuerte Veränderungen im Tonbandpart.
In älteren rein instrumentalen Stücken waren ebenfalls Computerexperimente der Ausgangspunkt, hier aber bezogen auf polyphone Koordination bzw. die Steuerung der traditionellen Parameter des instrumentalen Denkens.
Obwohl im klingenden Resultat sehr verschieden, verwendete ich, im Hinblick auf Zusammenhangsbildung und Variation, in beiden Bereichen ähnliche Algorithmen, oft Kombinationen von Zyklen und Zufallsvariationen.
Hybride Strukturen 1 geht ebenfalls vom Soloinstrument, der Bassposaune, und einigen granularen Verarbeitungen aus. Das Streichquartett wird abschnittsweise eingesetzt. Seine algorithmische Steuerung orientiert sich an einer Pulsation, die mit den tragenden Schichten, kontinuierlichen granularen Texturen und Gesten des Soloinstruments, korrespondiert.

Das Werk entstand im Rahmen eines von Gerhard Nierhaus (IEM Graz) geleiteten Projekts zur algorithmischen Komposition und wurde von GesFEMA gefördert.

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