line, step, phrase
für Akkordeon und Streichtrio (2005, ~40´)
Klangbeispiele

Was bleibt übrig, wenn man das Element des motivischen Zusammenhangs in tonaler Musik fallen lässt und gewohnte harmonische Wendungen in ihre Bestandteile auflöst? Phrasenbildungen mit einfachen rhythmischen Modellen innerhalb eines 9-tönigen - Anklänge an Tonalität gleichsam als Nebeneffekt hervorrufenden - Modus sind die Charakteristika der hier verwendeten strukturerzeugenden Computeralgorithmen. Verschiedene Formteile entstanden als Resultat von experimentell ermittelten Parametern in verschiedenen Varianten dieser Algorithmen.
Kein vermeintliches melodisches Motiv hat dabei eine irgendeine verbindende Funktion - die Gemeinsamkeit aller Formteile bilden, neben dem erwähnten harmonischen Aspekt, zwei steuerungstechnische Prinzipien: ein Fugato von Einsatzwahrscheinlichkeiten in zwei Schichten (zumeist Akkordeon versus Streicher), das die Wahrnehmung von Phrasen als grundlegende Gestalten zur Folge hat und Richtungsverläufe, die sich an Sinuskurven und Zufallsfunktionen orientieren (random walks). Die konkreten Einzelstimmen ergeben sich schließlich aus Suchalgorithmen, die die Vorgaben des Modus, der globalen Richtungsverläufe und verschiedene logische Beschränkungen, insbesondere in Bezug auf Wiederholung bzw. Nichtwiederholung und die Vermeidung von Oktaven und Primen berücksichtigen. Einfache Permutations- und Zufallssteuerungen regeln wenige Spieltechniken in den Streichern sowie Crescendi und Decrescendi - diese Steuerungstypen sind je nach Formteil frei gewählt. Formale Entwicklungen über einen längeren Zeitraum werden zusätzlich durch die statistische Gewichtung von Homophonie / Polyphonie und legato / non legato gesteuert.